In English, please

Blogbeitrag TYPO Berlin, 2017

In English, please – Sechs Fragen an die TYPO-Dolmetscherin

Mit den Besuchern und Besucherinnen der TYPO Berlin bewegen sich etwa 30 Nationen durch die Räume des HKW. Entsprechend groß ist der Bedarf nach den bequemen Kopfhörer-Sets, auf deren Kanal freundliche Stimmen simultan dolmetschen. Seit 22 Jahren – als die TYPO noch FUSE hieß – ist Lilian-Astrid Geese eine dieser Stimmen. Zeit, ihr ein paar Fragen zu stellen!
 
Du bist eine der vier Simultandolmetscherinnen auf der TYPO. Ihr sorgt dafür, dass die deutschsprachigen Talks den englischsprachigen Konferenzbesuchern und -besucherinnen zugänglich gemacht werden – und umgekehrt. Welche Begriffe musstest du in den 22 Jahren am häufigsten übersetzen?
Schriftfamilie, Graphic Designer, Form? Oder vielleicht Font, Zeichen, Gestalter? Ich glaube, Serife hab ich oft gehört. Ob das aber öfter war als serifenlos? Die Auszeichnungsschrift kommt mir sehr vertraut vor. Und in den letzten Jahren hörte ich zunehmend häufiger Kalligrafie und Lettering.

Konzentrierst du dich auf das Hören oder schaust du dir die Talks auch an?
Wir dolmetschen nicht einzelne Worte, sondern Ideen, Kontexte, Emphase, Leidenschaft … Und Menschen kommunizieren nicht nur verbal, sondern auch mit Mimik und Gestik. Um wirklich gut zu dolmetschen, musst du also sowohl die Redner und Rednerinnen sehen, als auch – weil das ja der inhaltliche Input ist – ihre Präsentationen. Überdies sind wir am liebsten mit im Saal, wenn auch in unseren Kabinen, weil wir dann auch die Vibrations im Publikum spüren.
 
Hat dir die Übersetzung eines bestimmten TYPO-Talks besonders viel Spaß gemacht?
Besonders viel Spaß hatte ich mit König Bansah bei der TYPO 2010, der von Julian Zimmermann vorgestellt wurde. Der Vortragstitel war schon klasse: „Der König ist Kunde“. Highlights waren auch Klaus Voormann (2007) oder Bazon Brock (2000). Die Stars und ganz Großen der Szene dolmetschen zu dürfen, finde ich natürlich immer wieder fantastisch: David Carson, Neville Brody, Matthew Carter, Mario Garcia, Ken Garland, Chip Kidd, um nur ein paar zu nennen, und vor allem den wunderbaren Erik Spiekermann, von dem ich ganz viel über Typografie gelernt habe und immer noch lerne.
 
Wie hat sich die TYPO in den 22 Jahren verändert? Gibt es Talk-Trends, die dir aufgefallen sind?
Bei den ersten Konferenzen lag der Fokus noch mehr auf dem Handwerklichen. Fragen wie digital vs. analog, Design als Technik usw. waren die Themen der Stunde. Dann war sie da, die technologische Zeit, und mit ihr rückten auch Identitätsfragen ins Zentrum: Was inspiriert Gestalter? Was unterscheidet den Profi vom Selfmade-Designer – mit all den hübschen käuflich erwerblichen, später dann online verfügbaren Tools? Was braucht die Welt, die scheinbar schon alles hat? Die TYPO, so nahm ich es wahr, zog den Horizont weiter und setzte sich mit den Möglichkeiten und Verwicklungen, den Schnittstellen und den Experimenten des konnektierten Lebens und Arbeitens auseinander. Und plötzlich waren dann die alten, manuellen Werke wieder interessant. Andreas Frohloffs Kalligrafie-Workshop, anfangs ein kleiner, fast exklusiv scheinender Zirkel, bekam immer mehr Zulauf. Hands-on ist wieder angesagt.
 

Mittlerweile hast du dir so viele Talks aus dem Typografie- und Design-Bereich angehört, dass du sicher schon deinen eigenen Vortrag halten könntest. Welchen Titel hätte der?
„Braucht die Bilderwelt noch Schrift(en)? Über die Bedeutung des Schreibens und Lesens für sprechende Berufe.“ Aber nicht, dass das jetzt jemand aufs Programm setzt!

 

Welchen Satz würdest du gerne mal dolmetschen?
„Am Ende unserer schönen Konferenz verlosen wir nun den Hauptgewinn: Eine Reise nach New York. And the winner is: Lilian-Astrid Geese.“